Arbeitslust Arbeitsfrust Britta Redmann

Trotz Motz und …otz – einfach atmen

Inhalt

Haben Sie auch manchmal schlechte Laune bei der Arbeit? 

Der Berg an to do´s wird einfach nicht weniger: kaum ist eine Aufgabe weg – zack, liegt schon die nächste auf dem Tisch…Vielleicht kennen Sie auch das Gefühl, von Termin zu Termin zu jagen? Zeit ist ja in den Unternehmen das „neue Gold“ – was leider nicht heißt, dass Meetings seltener werden: Gefühlt wird am besten alles schon auf Monate im Voraus geblockt und verplant, so dass für aktuelle Fragestellungen oder Austausche meist gar keine Zeitfenster zur Verfügung stehen. Ob die gemeinsamen Treffen dann Wochen später noch Sinn machen steht auf einem ganz anderen Blatt…Und dann die Meetings selber: wer kennt es nicht, die stundenlangen Debatten über fadenscheinige Themen? Je „ungefährlicher“ ein Punkt ist, desto länger wird darüber gesprochen und noch die letzte Facette herausgebohrt. Beliebt auch die „was-könnte-passieren-wenn-Diskussionen“. Da kann es schon mal vorkommen, dass in einer Führungsrunde hochbezahlte Manager 4 Stunden darüber sprechen, wie am besten Entscheidungen zu treffen sind. Für die wesentlichen Dinge – wie die Entscheidung selbst – bleibt dann oft nur wenige oder keine Zeit mehr übrig…

Täglich grüßt der Alltag …

Und kennen Sie auch das: Sie geben jeden Tag Ihr Bestes, übernehmen Verantwortung, treffen Entscheidungen und bemühen sich noch schnell den Vertragsentwurf / das Vorstellungsgespräch / die Abrechnung (oder eine andere beliebige Aufgabe) vor Ostern (oder einem anderen beliebigen Feiertag) zu erledigen. Denn der Chef oder der Kollege hatte es soooo brandeilig – und sie beeilen sich, investieren mehr Stunden in die komplizierte Vertragserstellung als eigentlich ihre tägliche Arbeitszeit hergibt, telefonieren stundenlang mit dem Bewerber und finden schließlich einen noch möglichen Termin, und brauchen dann – um den Vorgang abzuschließen – nur noch eine fachliche Rückmeldung, eine Unterschrift, eine Entscheidung (oder eine andere beliebige Interaktion) ihres Chef´s oder Kollegen und stellen fest: der ist bereits schon im Urlaub (oder einfach nicht mehr erreichbar). … Frustrierend oder? Zehrt an den Nerven und macht nicht so viel Spaß – oder? Und doch für viele ein normales Bild im Alltag – oder?

Arbeit gibt uns Sinn

Unsere Arbeit und unser Arbeitsumfeld – alles, was damit zusammenhängt – entscheidet ganz erheblich über die Zufriedenheit in unserem Leben. Wie wir uns mit unserer Arbeit und in unserem Unternehmen fühlen hat damit ganz großen Einfluss darauf, ob wir glücklich sind. Arbeit ist ein menschliches Grundbedürfnis, verbunden mit Herausforderungen, Selbstwertgefühl, Anerkennung und vor allem auch Resonanz. Resonanz mit den anderen (Kollegen, dem eigenen Team, dem Chef…) und auch damit, was der Einzelne mit seinem Tun direkt bewirken kann. Arbeit gibt uns Identität und trägt nicht zuletzt zur Sicherung unseres Lebensunterhaltes bei. Sie bietet uns damit ein starkes Fundament, sowohl äußere (Versorgung) wie innere Bedürfnisse (Selbstverwirklichung) erfüllt zu bekommen. Der Grad der Erfüllung hängt dabei stark davon ab, was wir als Gegenwert für unsere Arbeitsleistung bekommen. Werden Menschen danach befragt, was Arbeit für sie bedeutsam macht, ist Geld nicht die erste Antwort. Vielmehr spielt die Sinnfrage hier eine zentrale Rolle.
In der bisherigen Forschung wird Arbeit daher als eine elementare Grundlage angesehen, die Sinn stiften kann. Ergebnisse aus einer Studie im Rahmen des aktuellen Fehlzeitenreports weisen darauf hin, dass dabei nicht nur „Eigenschaften der arbeitenden Person, sondern auch die gelebten Werte des Unternehmens entscheidend dafür sind, dass Sinnerleben am Arbeitsplatz stattfinden kann. Zusätzlich tragen auch Merkmale der Arbeitsaufgabe und die Passung von Person und Tätigkeit zum Sinnerleben bei.“ Ob also eine Arbeit als sinnvoll empfunden wird hängt davon ab, wie bedeutsam die Tätigkeit für andere ist, wie stark eine Zugehörigkeit zum Unternehmen empfunden wird, welches Werteverständnis in der Organisation gelebt wird und wie gut der Mitarbeiter hinsichtlich seiner Fähigkeiten und Persönlichkeit auf die geforderte Aufgabe passt.

Eine Erklärung macht noch keine Lösung

Das klingt alles logisch. Und damit lässt sich dann vielleicht auch die schlechte Laune bei der Arbeit erklären: denn dann sind diese genannten Punkte wie
• Ich fühle mich meinem Unternehmen zugehörig
• Meine Tätigkeit ist bedeutsam (sinnvoll) für andere
• Mein eigenes Werteverständnis passt zu dem meiner Organisation (und damit auch zu dem meiner Kollegen…)
• Ich passe mit meinen Fähigkeiten zu meiner Aufgabe
wahrscheinlich nicht oder nicht ausreichend erfüllt…
Und jetzt? Was tun? Alleine die Erklärung – oder eine mögliche – hierfür zu haben hilft mir ja nicht, meinen Lebensunterhalt zufrieden zu bestreiten. Und vom bedingungslosen Grundeinkommen sind wir ja noch etwas entfernt. Klar – kündigen, einen neuen Arbeitgeber suchen – auf jeden Fall ist das dann wahrscheinlich die beste Lösung, wenn ein Zustand bei einem Arbeitgeber unerträglich geworden ist. Ob es jedoch tatsächlich „den Traumarbeitsplatz“ gibt, an dem alles stimmt und der dann z.B. noch nah am eigenen Wohnort liegt, genau die Arbeitszeiten bietet, die man sich wünscht, die Kollegen auch noch echte neue Freunde werden und wo Bezahlung & Benefits einfach stimmen… das bezweifle ich.

Emotional stabil in einer nicht perfekten Arbeitswelt

Vielmehr glaube ich, dass es zukünftig viel mehr darum gehen muss, wie wir mit diesen Situationen der „nicht perfekten Arbeitswelt“ umgehen können. Wie gelingt es uns, hier die notwendige Gelassenheit an den Tag zu legen, dass uns die „schlechte Laune“ nicht bis in den Feierabend hinein runterzieht? Wie schaffen wir es, dass wir trotz eingefahrener Muster, immer wieder engagiert daran arbeiten, schlechte und unwirtschaftliche Prozesse in unseren Organisationen zu verändern – oder, wenn das ein Kampf gegen Windmühlen sein sollte – dies dann auch hinnehmen zu können und uns darauf fokussieren, was an Tätigkeiten oder Abläufen wir selber beeinflussen können? Wie schaffen wir es, respektvolles Feedback geben und nehmen zu können und damit gleichzeitig in unserer internen Kommunikation im Unternehmen zu wachsen?
Es geht hier nicht darum, unsere „schlechte Laune“ hinzunehmen – es geht darum im Jammern nicht stecken zu bleiben sondern aktiv und selbstbestimmt unser Arbeitsumfeld zu gestalten.

Für mich zu sorgen statt mich zu ärgern

Ob es hier den einzig richtigen Weg hierfür gibt? Ich glaube nicht. Wichtig ist, herauszufinden, was jeder für sich selbst benötigt, um „in einem guten Zustand“ zu sein. Das heißt, die eigenen Ressourcen zu kennen, die „die Batterien“ bestmöglich aufladen – um sich dann von der wenn auch leider nicht perfekten jedoch oftmals einfach realen Arbeitswelt – nicht runterziehen zu lassen.
Also, – was tut Ihnen gut? Ist es der Sport, das leckere Abendessen mit Freunden, Urlaube und Reisen oder viel Zeit mit der Familie zu verbringen, ein Hobby…? Wichtig ist, etwas zu tun, was Ihnen wirklich gut tut! Was ist das, was bei Ihnen uneingeschränkt „schöne, gute Gefühle“ auslöst? Woraus können Sie Kraft tanken? Das kann auch mal etwas ganz kleines sein, wie einfach nur bewusst zu atmen oder draußen dem Vogelgezwitscher zuzuhören. Wann haben Sie z.B. zuletzt die Vögel draußen gehört und „gute Luft“ eingeatmet? Kostet nix und kann man direkt umsetzen. Es kann natürlich auch durch regelmäßiges Entspannen, kleine Auszeiten, Spaziergänge oder Yoga sein. Interessanterweise ist jetzt ein Kurs in Yoga sogar vom Landesarbeitsgericht Berlin – unter bestimmten Voraussetzungen – als Bildungsurlaub anerkannt worden.

Fazit

Warum wir beim Arbeiten ggf. schlechte Laune bekommen, lässt sich erklären. Das wir sie wieder loswerden können – darauf können wir selber Einfluss nehmen. Und mein Tipp an Unternehmen: genau hierbei können sie ihre Mitarbeiter unterstützen:
Wenn Sie möchten, dass ihre Mitarbeiter alles geben, im Sinne des Unternehmens denken, handeln und sich einfach von den oft so menschlichen Widrigkeiten des Alltags nicht unterkriegen und abhalten lassen, das Unternehmen gemeinsam besser zu machen, dann sorgen sie dafür, dass ihre Mitarbeiter ihre Ressourcen aufladen können.
Das setzt erstens voraus, dass ihre Mitarbeiter überhaupt wissen, was ihnen gut tut und zweitens, sich trauen, mit ihnen darüber zu sprechen.
Hier in einen – vertrauensvollen und offenen – gemeinsamen Austausch zu gehen, dem Mitarbeiter Impulse zu setzen oder einfach mal nachzufragen, kann ein guter Anfang sein. Und für alle Freunde von Mitarbeitergesprächen: Wie wäre es, das nächste Mitarbeitergespräch einfach mal über gute Laune zu führen und was dazu beitragen kann, sie zu haben? Vielleicht macht das ja dann sogar allen Spaß.

Quellen/Hinweise

1) Badura, Ducki, Schröder, Klose, Meyer, Fehlzeiten-Report 2018, Springer
2) BMAF Wertewelten Arbeiten 4,0
3) EY Jobstudie 2017; EY Studentenstudie 2018
4) https://www.sinnforschung.org/gesellschaftsrelevant/sinn-im-beruf-2
5) https://www.spiegel.de/karriere/urteil-in-berlin-yogakurs-zaehlt-als-bildungsurlaub-a-1263148.html; LAG Berlin Urteil vom 11.04.2019, Aktenzeichen 10 Sa 2076/18

Nach oben scrollen